Kinder als Gäste
Die Idee, als Reiseveranstalter oder Hotelier die Familie als Urlaubsgast besonders zu umgarnen und maßgeschneiderte Angebote für sie zu ersinnen, ist nicht neu. Uli Mühlberger und Roger Schulze, die beiden Geschäftsführer von Vamos Eltern-Kind-Reisen, können auf eine gemeinsam begründete 22-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Heute bietet der Familienreisespezialist mit Sitz in Hannover 113 Reisedomizile in 16 europäischen Ländern mit und ohne Kinderbetreuung an. Oder das Beispiel Kinderhotels Europa: Was bereits 1982 mit einigen Kärntner Hotels begann, ist heute eine europäische Kooperationsgruppe mit 48 Häusern in Österreich, Deutschland und Südtirol. Und auch die großen Cluburlaubanbieter legen sich schon lange ins Zeug, um mit professioneller Kinderbetreuung (bei Aldiana ab zwei, bei Robinson ab drei Jahren, bei Club Med bereits ab zwei Monaten) Familien die Lust auf sorglosen Cluburlaub schmackhaft zu machen.
Die Namensvielfalt kennt kaum Grenzen: Es gibt Familienhotels, Babyhotels, (Bio-) Kinderhotels, Familyhotels, Familotels und auch Leading Family Hotels & Resorts. Aber müssen Kinderhallenbad, Kinderfitnessstudio, Kindererlebniswelt, Kinderkino, Kinderwerkstatt zwangsläufig zum erweiterten Hotelangebot in dieser Nische gehören? Selbstverständlich nicht. Aber diese Leistungen zeigen, wie Hoteliers versuchen, sich zu positionieren und wie sie um die offensichtlich zahlungsbereite Kundschaft buhlen.
Natürlich kann man als Vater-Mutter-Kind-Ensemble in beinahe jedes Hotel gehen, um seinen Urlaub zu verbringen. Doch es gibt immer mehr Hoteliers, die sich sowohl in der “Hardware”, also der Ausstattung ihres Hauses (Kinderrestaurant, Kinderwagenstellplätze, Wickelauflagen, Windeleimer, Babybadewannen, Hochstühle, Fläschchenwärmer, Lätzchenservice), als auch in der “Software” (Kinderbetreuung, Gästeansprache, Service, Mitarbeiterschulung) zielgerichtet auf die konkreten Bedürfnisse einstellen.
Bei den meisten familientauglichen Hotels gibt es innerhalb einer Kooperation verschiedene Abstufungen hinsichtlich des Angebots, der Ausstattung und der Betreuung. Ein Blick in die Kataloge lohnt also, denn die Preise differieren zum Teil gewaltig, auch die “Basiskriterien” unterscheiden sich stark von den “Topkriterien” (so etwa bei den Südtiroler Familienhotels). Auch sollte man sich vergewissern, ob, wie und von wem die versprochenen Kriterien auf ihre Einhaltung hin kontrolliert werden.
Und da jede Familie älter wird, sich also auch die Bedürfnisse ändern, ist das Spektrum an speziellen Betreuungsangeboten breit aufgefächert: In manchen Hotels wird darauf hingewiesen, dass Säuglinge ab dem 7. Lebenstag “altersgruppengerecht betreut” werden. Zweijährige können in der Windelskischule die ersten Versuche auf zwei Brettern versuchen, Sechsjährige lernen in der “Hokus-Pokus-Zauberschule” verblüffende Tricks und Teenager die neuesten Breakdance-Techniken kennen, sie texten ihren eigenen Rapsong oder üben sich im Improvisationstheater. Doch auch die Eltern profitieren von der Kinderhotel-Idee. Ist ihr Sprössling fröhlich, sind sie beruhigt und können sich erholen, lautet die simple Glücksformel. Hinzu kommt der praktische Aspekt: Man muss viele Kleinkind-Utensilien wie Flaschenwärmer oder Töpfchen nicht in den Urlaub mitschleppen.
Gute Kinderhotels zeichnen sich also dadurch aus, dass auch an die Erwachsenen gedacht wird, dass es Rückzugsmöglichkeiten und Wellnessräume gibt. Ambiente und kulinarische Überraschungen spielen sicher auch eine Rolle: Eltern schätzen eine Kaminbar und eine gute Weinkarte am Ende mehr als Biene-Maja-Bettwäsche und jeden Tag Nudeln mit Tomatensauce.
Beispielhaft für eine neue Nische in der Nische ist das “Biancaneve Family & Design Hotel” in Wolkenstein, eines der jüngsten Mitglieder der 24 Familienhotels in Südtirol. Ein Designhotel für Familien? Ja, und es funktioniert! “Man muss sich ja spezialisieren”, sagt Hotelchefin Irma Riffeser, “man kann nicht einfach ein Hotel aufmachen.” Das “Biancaneve”, das Weihnachten vor zwei Jahren eröffnete, liegt direkt an einem großen Übungshang für Skianfänger, alle Kinderskischulen treffen sich hier jeden Morgen. Auch wenn jetzt mindestens 95 Prozent der Gäste Familien sind - man rutscht auf dem Weg zur Rezeption nicht gleich auf Legosteinen aus.
Die Kinder, sofern sie nicht im Skiunterricht sind, werden auf Wunsch von 9 Uhr bis 21 Uhr im Miniclub betreut, zu dem auch zwei maximal 80 Zentimeter tiefe Schwimmbecken gehören. Und damit die Eltern abends in Ruhe das Sieben-Gänge-Menü genießen können, essen die Kinder zeitgleich unter lautem Getöse drei Gänge im Speisesaal “7 Zwerge”. Und alle sind glücklich.
Cavallino Bianco in Südtirol
Das Hotel Cavallino Bianco wirbt mit dem Titel „1. Family Spa Grand Hotel“. Auf den ersten Blick unterscheidet sich dieses Kinderhotel nicht von anderen normalen Wellnesshotels. Zahlreiche Angebote wie diverse Massagebehandlungen bis hin zum Rosenbad für Verliebte. Doch es gibt hier einen Unterschied: Familien mit Kindern stehen hier im Mittelpunkt des Interesses. Es gibt hier ganz spezifische Wellness Spa Angebote für Kinder und Familien.
Diese besonders familienfreundliche Entwicklung verbreitet sich immer mehr in der Hotelbranche.
Das Cavallino gehört zu den kürzlich gegründeten Leading Family Hotels & Resorts. Unter dieser Marke haben sich bislang drei Hotels im Alpenraum zusammengeschlossen. Es sind alles Vier-Sterne-Hotels, deren gesamte Ausstattung speziell auf Familien zugeschnitten ist. Ebenso das Freizeitangebot, bei dem alle Altersgruppen berücksichtigt werden.
Nähere Informationen erhalten Sie unter cavallino-bianco.com
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